Kaum haben wir gelernt, dass etwas „cringe“ sein kann und die persönliche „Aura“ offenbar jederzeit Punkte verlieren kann, kommt schon die nächste sprachliche Herausforderung für Eltern: Das Jugendwort des Jahres 2026 wird gesucht.
Die Top 10 stehen fest – und sagen wir es vorsichtig: Einige Begriffe verstehen wir sofort. Bei anderen hilft selbst längeres Nachdenken nicht weiter. Und bei „67“ lautet die offizielle Erklärung praktisch: Es bedeutet nichts Genaues. Na dann. Gute Käse!
Das sind die Top 10 beim Jugendwort 2026
Vom 28. Juli bis zum 20. August 2026 können Jugendliche über ihre Favoriten abstimmen. Diese zehn Begriffe stehen zur Wahl:

67 – ausgesprochen „six seven“
Was „67“ genau bedeutet? Nun ja: eigentlich nichts – und irgendwie alles. Die Zahlenfolge wird als Insider verwendet und kann offenbar in fast jede Unterhaltung eingebaut werden.
Der Trend stammt aus den USA und verbreitete sich über TikTok, Basketball-Memes und den Song „Doot Doot (6 7)“ des Rappers Skrilla.
Übersetzung für Eltern: Fragt besser nicht zu genau nach. Das macht es vermutlich nur lustiger.
Crashout
Ein „Crashout“ beschreibt den Moment, in dem jemand komplett die Fassung verliert, ausrastet oder sehr emotional reagiert. Das kann ernst gemeint sein, wird aber häufig übertrieben und ironisch benutzt.
Beispiel: „Wenn mein Akku jetzt ausgeht, gehe ich Crashout.“
Übersetzung für Eltern: Der Teenager ist kurz vor einem mittelschweren Nervenzusammenbruch – oder der Handy-Akku steht bei drei Prozent.
Digga
Endlich ein alter Bekannter! „Digga“ gehört längst zum festen Bestand der Jugendsprache und bedeutet je nach Situation Kumpel, Bruder oder Bro. Manchmal ist es aber auch einfach nur eine allgemeine Anrede.
Beispiel: „Digga, was machst du da?“
Übersetzung für Eltern: Kann freundlich, überrascht oder leicht genervt gemeint sein. Der Ton entscheidet.
Du bist gut genug
Diesen Satz dürfen Jugendliche natürlich gerne häufiger sagen. In diesem Fall geht es allerdings um eine Passage aus dem Song „Gut genug“ von KitschKrieg, Blumengarten und Shirin David.
Der charakteristisch lang gezogene Refrain wurde in den sozialen Medien zum Trend und wird ständig neu umgedichtet. Aus „Du bist gut genuuuuug“ werden dann Sätze wie „Es ist warm genuuuuug“.
Übersetzung für Eltern: Mitsingen erlaubt. Allerdings besteht eine erhebliche Gefahr, die eigenen Kinder damit maximal zu blamieren.
Gute Käse
Wenn etwas „Gute Käse“ ist, handelt es sich nicht unbedingt um einen besonders gelungenen Gouda. Der Ausdruck bedeutet, dass etwas richtig gut, gelungen oder stabil ist.
Beispiel: „Der Song ist wirklich Gute Käse.“
Übersetzung für Eltern: Gefällt mir. Finde ich gut. Kann man machen.
Macker
Bei „Macker“ dürften viele Eltern und Großeltern kurz aufatmen. Das Wort kennen wir schließlich schon. Es erlebt gerade ein Revival und kann den Freund, den Crush oder einen Kumpel meinen. Oft wird es liebevoll oder ironisch verwendet.
Beispiel: „Mein Macker kommt später noch vorbei.“
Übersetzung für Eltern: Hier ist ausnahmsweise keine Übersetzung nötig. Wir sind wieder im Spiel!
Peak
„Peak“ bedeutet auf Englisch Gipfel oder Spitze. In der Jugendsprache steht es für den absoluten Höhepunkt oder das Beste vom Besten.
Beispiel: „Das Konzert war Peak.“
Übersetzung für Eltern: Es war richtig, richtig gut.
Ragebait
„Ragebait“ bezeichnet Beiträge in sozialen Medien, die Menschen absichtlich provozieren und wütend machen sollen. Dafür werden gerne wilde Behauptungen, extreme Meinungen oder bewusst falsche Informationen verbreitet.
Warum? Weil empörte Kommentare ebenfalls Reichweite bringen.
Übersetzung für Eltern: Nicht über jedes Stöckchen springen, das einem der Algorithmus hinhält.
Schere
Nein, niemand möchte basteln. „Schere“ kommt aus der Gaming-Szene und bedeutet so viel wie „mein Fehler“ oder „meine Schuld“. Der Begriff kann als kurze Entschuldigung oder als Eingeständnis eines Fehlers benutzt werden.
Beispiel: „Schere, ich habe vergessen, dir zu antworten.“
Übersetzung für Eltern: Sorry, mein Fehler.
Süper
„Süper“ stammt aus dem Türkischen und bedeutet schlicht „super“. Bekannt wurde der Ausdruck unter anderem durch ein virales Video eines Ultramarathonläufers, der nach seinen Läufen auf die Frage nach seinem Befinden mit einem begeisterten „Süper!“ antwortete.
Übersetzung für Eltern: Genau das, wonach es klingt: alles bestens!
Wer darf über das Jugendwort 2026 abstimmen?
Grundsätzlich können alle beim Online-Voting mitmachen. Für das offizielle Ergebnis werden jedoch nur die Stimmen der Jugendlichen berücksichtigt. Der Großteil der Abstimmenden ist zwischen 11 und 20 Jahre alt.
Das erste Voting über die Top 10 läuft bis zum 20. August 2026. Vom 28. August bis zum 28. September folgt die Abstimmung über die drei Finalisten. Das Jugendwort des Jahres 2026 wird am 10. Oktober bekannt gegeben. Alle Termine und das Voting gibt es direkt bei Langenscheidt.
Warum Jugendsprache eigentlich ziemlich spannend ist
Natürlich können wir über manche Begriffe schmunzeln. Trotzdem ist Jugendsprache viel mehr als eine Sammlung merkwürdiger Wörter. Sie zeigt, welche Themen Jugendliche beschäftigen und wo sie ihre Zeit verbringen.
2026 kommen viele Jugendwörter aus Social Media, Musik und Gaming – oder aus lustigen Bildern, Videos und Sprüchen, die im Netz plötzlich zum Trend werden.
Eltern müssen deshalb nicht jeden neuen Ausdruck selbst benutzen. Ganz ehrlich: Ein beiläufiges „Das Abendessen ist heute Peak, Digga“ könnte am Familientisch schnell einen kollektiven Crashout auslösen.
Zuhören, nachfragen und gemeinsam lachen reicht vollkommen aus.
Ein Blick auf die bisherigen Gewinner zeigt übrigens, wie schnell sich Jugendsprache verändert. Einige Wörter sind längst wieder verschwunden, andere benutzen wir heute fast selbstverständlich. Zeit für eine kleine sprachliche Zeitreise – von der „Gammelfleischparty“ bis zu „das crazy“.
Von „Gammelfleischparty“ bis „das crazy“
Das Jugendwort des Jahres gibt es bereits seit 2008. Beim Blick zurück zeigt sich ziemlich deutlich, wie schnell sich Sprache verändert. Manche Begriffe sind längst wieder verschwunden, andere gehören inzwischen fast zum normalen Sprachgebrauch.
Und ganz ehrlich: Wer sich noch an „YOLO“, „Babo“ oder „Läuft bei dir“ erinnert, darf sich jetzt offiziell ein bisschen alt fühlen. 😉
Die bisherigen Jugendwörter im Überblick
- 2025: das crazy – eine universelle Reaktion, wenn einem gerade nichts Besseres einfällt
- 2024: Aura – die persönliche Ausstrahlung oder der Status einer Person
- 2023: goofy – tollpatschig, albern oder etwas merkwürdig
- 2022: smash – mit jemandem etwas anfangen wollen
- 2021: cringe – peinlich oder zum Fremdschämen
- 2020: lost – ahnungslos oder verwirrt
- 2019: kein Jugendwort
- 2018: Ehrenmann/Ehrenfrau – ein guter und verlässlicher Mensch
- 2017: I bims – „Ich bin’s“
- 2016: fly sein – besonders cool sein oder richtig abgehen
- 2015: Smombie – eine Mischung aus Smartphone und Zombie
- 2014: Läuft bei dir – gut gemacht, du hast es drauf
- 2013: Babo – Boss oder Chef
- 2012: YOLO – „You only live once“, also: Man lebt nur einmal
- 2011: Swag – Coolness und Lässigkeit
- 2010: Niveaulimbo – Gespräche oder Unterhaltung, deren Niveau immer weiter sinkt
- 2009: hartzen – sinnlos herumhängen
- 2008: Gammelfleischparty – wenig charmante Bezeichnung für eine Ü30-Party
Die vollständige Historie findet ihr auch direkt bei Langenscheidt.
Welches Jugendwort ist geblieben?
Spannend ist, dass einige Gewinner heute kaum noch jemand benutzt. Andere Wörter wie „cringe“, „lost“ oder „Digga“ haben es dagegen weit über den Schulhof hinausgeschafft. Und „Ehrenmann“ oder „Ehrenfrau“ hören wir auch heute noch – völlig zu Recht, wie wir finden.
Unser persönlicher Retro-Favorit ist allerdings „Smombie“. Schließlich laufen nicht nur Jugendliche mit dem Blick aufs Smartphone durch die Gegend. Schere – da müssen wir Erwachsenen uns wohl ebenfalls ertappt fühlen.
Familyflair-Fazit
Unser heimlicher aktueller Favorit? „Gute Käse“ hat eindeutig Familienpotenzial. Das Mittagessen schmeckt? Gute Käse. Der Familienausflug war gelungen? Gute Käse. Alle Kinder liegen abends tatsächlich im Bett? Absolut Peak!
Nur „67“ überlassen wir vorerst der jüngeren Generation. Man muss schließlich nicht alles verstehen. Schere.






