Heute wollte ich es noch einmal wissen. Wir waren schon ein paar Jahre nicht mehr auf der Ackernalm. Doch gestern fragte ich mich plötzlich: Warum eigentlich?
Also machten wir uns auf den Weg hinauf. Und schon nach den ersten Minuten wusste ich wieder, weshalb dieser Ort etwas ganz Besonderes ist. Die Ruhe, die Berge, das Läuten der Kuhglocken – und dieser Blick über das Thierseetal. Es ist einfach so schee hier oben!
Die Ackernalm liegt auf rund 1.350 Metern im Tiroler Thierseetal, nicht weit von Kufstein entfernt. Im Sommer erreicht man sie über eine gut ausgebaute Mautstraße. Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, kann ebenfalls hinaufwandern oder radln. Oben warten der Berggasthof, die Bio-Käserei und vor allem ganz viel echtes Almleben.


Eine Begegnung auf dem Weg zur Käserei
Auf meinem Weg zur Käserei traf ich einen der aktuell sieben Bauern, die ihre Kühe auf der Ackernalm sömmern. Und wie das manchmal so ist: Man kommt ins Gespräch, stellt eine Frage – und plötzlich öffnet sich eine ganze Welt.
Früher, so erzählte er mir, waren es einmal 14 Almbetriebe. Heute werden einige der Hütten als Unterkünfte vermietet. Eine Woche Hüttenurlaub hier oben? Ich sage es euch: Danach ist man vermutlich einmal komplett heruntergefahren. Kein Dauergeklingel, keine endlose To-do-Liste und kein ständiges Müssen. Stattdessen Kühe, Berge, frische Luft und jede Menge Ruhe.

120 Kühe und ein ganz eigener Rhythmus
Rund 120 Milchkühe verbringen den Sommer auf der Ackernalm. 20 davon gehören zu seinem Hof. Von Juni bis Mitte September grasen die Tiere auf den saftigen Almwiesen und finden dort eine große Vielfalt an Kräutern und Gräsern. Das prägt nicht nur die Milch, sondern später auch den Geschmack des Ackernalm-Käses.
Besonders spannend fand ich, was mir der Bauer über das Melken erzählte. Es sei wichtig, die Kühe jeden Tag möglichst zur gleichen Zeit zu melken. Die Tiere kennen ihren Rhythmus ganz genau. Wenn es Zeit wird, trudeln sie tatsächlich von selbst am Melkstand ein.
Und hier herrscht offenbar eine klare Stallordnung: Versucht sich eine Kuh aus einem anderen Stall unterzumischen, wird sie von den Kühen der eigenen Herde kurzerhand wieder vertrieben. Jede kennt ihren Platz, ihre Herde und ihren Tagesablauf. Hier oben braucht es offensichtlich keine Namensschilder – die Kühe haben das längst untereinander geklärt.



Die Bauern betreiben die Käserei gemeinsam
Über mehr als 50 Jahre führte Käsemeister Hans Degeser die Käserei auf der Ackernalm mit viel Hingabe. Nach seinem Tod haben die Bio-Bauern aus Thiersee die Verantwortung gemeinschaftlich übernommen. Seit 2021 betreiben sie die Käserei selbst. Der Almladen wurde renoviert und die traditionelle Almkäserei modernisiert.
Heute wird die Milch täglich frisch von den Bauern angeliefert und direkt vor Ort verarbeitet. Daraus entstehen unter anderem Bio-Bergkäse, der feinwürzige Ackern Taler in verschiedenen Sorten sowie frische Almbutter. Die Ackernalm gilt als höchstgelegene Almkäserei Tirols. In guten Almsommern liefern die Kühe zusammen bis zu 300.000 Liter Bio-Milch.
Dabei geht es nicht um Höchstleistung um jeden Preis. Die Wiesen werden nicht mit künstlichem Dünger oder Pflanzenschutzmitteln behandelt. Auch Kraftfutter, das die Milchleistung künstlich steigern soll, kommt nicht zum Einsatz. Die Kühe geben das, was unter diesen natürlichen Bedingungen möglich ist – und genau das schmeckt man später im Käse.



Wenn der Sommer auf der Alm endet
In der zweiten Septemberwoche steht der Almabtrieb an. Dann verlassen die Kühe ihre Sommerweiden und kehren zurück nach Thiersee. Dort verbringen sie den Winter auf den heimischen Höfen.
Bis dahin bestimmt der feste Rhythmus das Leben auf der Alm: füttern, nach den Tieren sehen, melken, Milch liefern – Tag für Tag. Was für uns Besucher idyllisch und entschleunigend wirkt, bedeutet für die Bauern gleichzeitig viel Arbeit und Verantwortung.


Wer führt den Hof später weiter?
Natürlich wollte ich auch wissen, wie es mit seinem Hof weitergeht. Hat er Kinder? Und möchte überhaupt noch jemand die Landwirtschaft übernehmen?
Seine Antwort kam ohne Zögern: „Ja klar, unser Jüngster macht weiter.“
So, wie es bereits viele Generationen vor ihm getan haben. Der ältere Sohn habe sich dagegen schon früh mehr für Computer interessiert und sei auch heute eher der ITler in der Familie. Ich musste schmunzeln. Auch auf einem traditionsreichen Bauernhof müssen schließlich nicht alle Kinder denselben Weg einschlagen.
Doch als er über den jüngeren Sohn und die Zukunft des Hofes sprach, war dieser besondere Stolz nicht zu überhören.
Ein echter Tiroler Erbhof
Der Hof der Familie trägt den Titel „Erbhof“. Diese Bezeichnung verleiht die Tiroler Landesregierung an landwirtschaftliche Betriebe, die seit mindestens 200 Jahren innerhalb derselben Familie weitergegeben wurden. Außerdem müssen die Eigentümer den Hof selbst bewohnen und bewirtschaften.
200 Jahre – das muss man sich erst einmal vorstellen. Generation für Generation hat die Familie den Hof erhalten, bewirtschaftet und an die nächste weitergegeben. Deshalb verstand ich auch sofort, weshalb der Bauer mit so viel Stolz davon erzählte. Ein Erbhof ist schließlich nicht nur ein landwirtschaftlicher Betrieb. Er ist Familiengeschichte, Heimat und Lebensaufgabe zugleich. Mehr über den Tiroler Erbhoftitel
Ein Zettelchen, das in Erinnerung bleibt
Zum Schluss fragte ich ihn nach seinen Kontaktdaten. Daraufhin holte er aus seiner Handyhülle ein kleines vorbereitetes Zettelchen. Ich glaube, ich war nicht die Erste, die ihn danach gefragt hat. 😉
Darauf standen seine Telefonnummer und ein Spruch:
Jeder Tag besteht aus einer Aneinanderreihung von schönen Momenten. Schätze jeden Augenblick, er ist einzigartig wie du.


Ich finde, besser könnte ein Satz zu diesem Tag kaum passen.
Denn manchmal liegen diese schönen Momente tatsächlich direkt hintereinander: die Fahrt hinauf, das Läuten der Kuhglocken, ein kurzer Plausch am Wegesrand, der Stolz eines Bauern auf seine Familie und ein Stück Käse, das genau dort entstanden ist, wo man es kauft.
Einkehren und genießen
Nach dem Besuch in der Käserei bietet sich eine Einkehr im benachbarten Berggasthof Ackernalm an. Dort gibt es Tiroler Küche und unter anderem selbst gemachte Kaspressknödel mit Käse von der Alm. Dazu kommt die Aussicht über das Thierseetal und auf das Kaisergebirge – eigentlich möchte man gar nicht mehr weg.
Wer Käse oder Almbutter mitnehmen möchte, sollte unbedingt Bargeld einpacken. Im Almladl ist keine Kartenzahlung möglich. Falls der Laden einmal geschlossen ist, steht ein „Kühlschrank des Vertrauens“ bereit. Da Öffnungstage und Zeiten je nach Saison variieren können, schaut ihr am besten vor eurem Besuch noch einmal auf der Website der Bio-Käserei Ackernalm nach.



Mein Fazit
Warum waren wir eigentlich so lange nicht mehr hier?
Diese Frage kann ich auch nach unserem Besuch nicht beantworten. Aber eines weiß ich sicher: Bis zum nächsten Mal werden keine Jahre mehr vergehen.


Die Ackernalm ist kein künstlich inszeniertes Ausflugsziel. Hier wird gearbeitet, gemolken, Käse gemacht und eine jahrhundertealte Familientradition weitergeführt. Gleichzeitig ist sie ein Ort, an dem man innerhalb kürzester Zeit spürt, wie gut Ruhe tun kann.
Und vielleicht nehmen wir uns beim nächsten Mal tatsächlich eine ganze Woche. Denn ein paar Tage ohne To-do-Liste, dafür mit Bergen, Kühen und Käse, wären gerade gar keine schlechte Idee.


Infobox: Ackernalm und Bio-Käserei
- Ort: Almen 54, 6335 Thiersee, Tirol
- Höhe: rund 1.350 Meter
- Almsaison: etwa Juni bis Mitte September
- Almladl: saisonal von Mai bis Oktober geöffnet
- Anreise: im Sommer über eine ausgebaute Mautstraße
- Zu Fuß: ab der Mautstelle etwa zwei Stunden
- Wichtig: Im Almladl ist nur Barzahlung möglich
- Einkehr: Berggasthof Ackernalm
- Weitere Informationen: Ackernalm Bio-Käserei und Berggasthof Ackernalm
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