Sind wir mal ehrlich. Wie oft schauen wir uns einen Geldschein wirklich genau an? Meist wandert er direkt vom Portemonnaie zur Kasse und wieder zurück. Doch bald könnte sich ein genauer Blick lohnen. Die Euro-Scheine bekommen nämlich ein komplett neues Gesicht – und dieses Mal dürfen die Menschen in Europa bei der Auswahl mitreden.
Die Europäische Zentralbank, kurz EZB, hat zehn Entwürfe für die nächste Generation der Euro-Banknoten vorgestellt. Bis zum 21. September 2026 können wir uns die Vorschläge ansehen und online bewerten. Zur Wahl stehen keine kleinen Veränderungen, sondern zehn ganz unterschiedliche Designideen rund um Kultur, Natur und das gemeinsame Europa.
Neue Euro-Banknoten: Was genau steht zur Wahl?
Ganz frei ist die Auswahl nicht mehr. Die zwei großen Themenwelten und die Motive auf den einzelnen Scheinen stehen bereits fest. Jetzt geht es darum, wie diese Motive grafisch umgesetzt werden.
Fünf der zehn Entwürfe widmen sich dem Thema „Europäische Kultur“. Die anderen fünf zeigen „Flüsse und Vögel“. Entstanden sind die Vorschläge in einem europaweiten Designwettbewerb. Mehr als 1.200 Grafikdesignerinnen und Grafikdesigner hatten sich beworben. 25 von ihnen durften konkrete Entwürfe einreichen. Eine unabhängige Jury aus 21 Fachleuten wählte daraus die zehn Finalisten aus.
Auf der offiziellen Übersichtsseite der EZB kannst du alle Entwürfe von A bis J ansehen und von der Vorder- auf die Rückseite drehen.
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Von Beethoven bis Marie Curie: Europas Kultur auf Geldscheinen
Die erste Motivwelt rückt bekannte Persönlichkeiten und gemeinsame kulturelle Orte in den Mittelpunkt. Die Vorderseiten zeigen Menschen, deren Werk Europa geprägt hat. Auf den Rückseiten begegnen uns Szenen aus Musik, Bildung, Kunst und dem öffentlichen Leben.
| Geldschein | Persönlichkeit | Motiv auf der Rückseite |
|---|---|---|
| 5 Euro | Opernsängerin Maria Callas | Straßenkunst und darstellende Künste |
| 10 Euro | Komponist Ludwig van Beethoven | Kinder- und Jugendchor bei einem Musikfestival |
| 20 Euro | Wissenschaftlerin Marie Curie | Schule oder Universität |
| 50 Euro | Schriftsteller Miguel de Cervantes | Bibliothek |
| 100 Euro | Künstler und Universalgelehrter Leonardo da Vinci | Museum oder Ausstellung |
| 200 Euro | Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner | öffentlicher Platz als Ort der Begegnung |
So könnten wir künftig also mit Beethoven bezahlen oder Marie Curie im Portemonnaie tragen. Gleichzeitig erzählen die Rückseiten davon, was Europa im Alltag verbindet: Musik, Bücher, Bildung, Kunst und Orte, an denen Menschen zusammenkommen.

Gestaltungsentwurf für die möglichen neuen Euro-Banknoten. Der Entwurf stellt noch keine endgültige Banknotenserie dar. © Europäische Zentralbank, 2026
Flüsse und Vögel: Die Natur kennt keine Grenzen
Die zweite Motivwelt wirkt ganz anders. Hier geht es um Europas Flusslandschaften und verschiedene Vogelarten. Die Bilder führen von der Quelle im Gebirge bis hinaus aufs offene Meer. Damit stehen sie für Freiheit, Bewegung, Vielfalt und eine Natur, die sich nicht an Landesgrenzen hält.
| Geldschein | Naturmotiv auf der Vorderseite | Motiv auf der Rückseite |
|---|---|---|
| 5 Euro | Mauerläufer an einer Bergquelle | Europäisches Parlament |
| 10 Euro | Eisvogel an einem Wasserfall | Europäische Kommission |
| 20 Euro | Bienenfresser an einem Flusstal | Europäische Zentralbank |
| 50 Euro | Weißstorch über einem mäandernden Fluss | Gerichtshof der Europäischen Union |
| 100 Euro | Säbelschnäbler an einer Flussmündung | Europäischer Rat und Rat der EU |
| 200 Euro | Basstölpel über dem Meer | Europäischer Rechnungshof |
Die Verbindung ist bewusst gewählt: Auf der einen Seite sehen wir die Natur Europas, auf der anderen seine gemeinsamen Institutionen. Manche Entwürfe sind sehr klar und modern, andere wirken verspielt, künstlerisch oder fast wie kleine Bildergeschichten.

Gestaltungsentwurf für die möglichen neuen Euro-Banknoten. Der Entwurf stellt noch keine endgültige Banknotenserie dar. © Europäische Zentralbank, 2026
Warum brauchen wir überhaupt neue Euro-Scheine?
Natürlich geht es nicht nur um ein hübscheres Portemonnaie. Die aktuellen Euro-Banknoten sind zwar weiterhin sicher, doch auch Fälschungstechniken entwickeln sich weiter. Deshalb sollen die neuen Scheine verbesserte Sicherheitsmerkmale erhalten und leichter auf Echtheit geprüft werden können.
Außerdem möchte die EZB die Banknoten besser zugänglich machen. Besonders Menschen mit Sehbeeinträchtigungen sollen die unterschiedlichen Werte künftig einfacher erkennen und unterscheiden können. Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle: Die Scheine sollen länger halten und mit umweltschonenderen Materialien und Produktionsverfahren hergestellt werden.
Es handelt sich um die erste vollständige Neugestaltung der Euro-Banknoten seit ihrer Einführung im Jahr 2002. Die später eingeführte Europa-Serie brachte zwar neue Sicherheitsmerkmale, blieb bei der grundlegenden Gestaltung mit Fenstern, Toren und Brücken jedoch nah am bisherigen Erscheinungsbild.

Gestaltungsentwurf für die möglichen neuen Euro-Banknoten. Der Entwurf stellt noch keine endgültige Banknotenserie dar. © Europäische Zentralbank, 2026
Entscheidet die Online-Abstimmung über den Sieger?
Nicht ganz. Die Ergebnisse der öffentlichen Umfrage sind ein wichtiger Teil der Entscheidung, aber nicht der einzige. Zusätzlich berücksichtigt der EZB-Rat die Einschätzung der Fachjury und eine technische Prüfung der Entwürfe. Parallel führt ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut eine repräsentative Befragung im Euroraum durch.
Welcher Vorschlag gewinnt, will der EZB-Rat voraussichtlich gegen Ende 2026 entscheiden. Danach beginnt allerdings erst die Detailarbeit: Das ausgewählte Design muss weiterentwickelt, getestet und für die Produktion vorbereitet werden.
Wann kommen die neuen Euro-Banknoten?
Ein genaues Startdatum gibt es noch nicht. Die EZB rechnet damit, dass nach der endgültigen Designentscheidung noch mehrere Jahre vergehen, bevor die neuen Scheine tatsächlich in unseren Portemonnaies landen.
Und was passiert mit den alten Banknoten? Sie behalten ihren Wert und bleiben gemeinsam mit der neuen Serie im Umlauf. Du musst vorhandene Scheine also weder schnell ausgeben noch vorsorglich umtauschen.
Eine kleine Europa-Abstimmung für die ganze Familie
Die zehn Entwürfe gemeinsam anzuschauen, kann übrigens auch mit Kindern richtig spannend sein. Welcher Vogel gefällt ihnen am besten? Kennen sie Beethoven oder Marie Curie? Und was müsste ihrer Meinung nach auf einem Geldschein zu sehen sein, damit er wirklich für Europa steht?

Vielleicht gewinnt am Ende nicht der persönliche Favorit. Trotzdem ist es selten, dass wir bei der Gestaltung eines alltäglichen Gegenstands wie unserem Geld mitreden können. Deshalb lohnt sich der Blick auf die Entwürfe. Bis zum 21. September 2026 führt der Weg von der Designübersicht der EZB direkt zur öffentlichen Umfrage.
Noch eine Umfrage gefällig? Hier geht´s zur Suche des Jugendworts 2026







