Sonne, Eis und Spielplatz gehören für viele Familien zum Sommer dazu. Doch hohe Temperaturen können für Kinder schneller zur Belastung werden als viele Eltern vermuten. Kinderarzt Dr. Claus Pflugbeil erklärt, worauf Familien jetzt achten sollten.


Barfuß durch den Garten laufen, mit Wasser planschen, Eis essen oder stundenlang auf dem Spielplatz spielen – für Kinder gehört der Sommer zu den schönsten Zeiten des Jahres.

Doch während Erwachsene die Hitze oft gut einschätzen können, geraten kleine Körper deutlich schneller an ihre Grenzen. Gerade an besonders warmen Tagen ist es wichtig, die Bedürfnisse von Kindern im Blick zu behalten und Warnsignale frühzeitig zu erkennen.

„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“, erklärt Kinderarzt Dr. Claus Pflugbeil. „Ihr Körper reagiert anders auf hohe Temperaturen und kann Wärme noch nicht so effektiv ausgleichen wie der von Erwachsenen.“

Warum Kinder Hitze anders erleben

Die Temperaturregulation entwickelt sich erst im Laufe der Kindheit vollständig. Kinder schwitzen weniger effektiv und können überschüssige Wärme schlechter abgeben. Gleichzeitig bemerken sie Durst, Erschöpfung oder Überhitzung häufig später.

Besonders aufmerksam sollten Eltern bei folgenden Gruppen sein:

  • Babys
  • Kleinkinder
  • chronisch kranke Kinder
  • sehr aktive Kinder

Vor allem Babys können ihre Körpertemperatur noch nicht ausreichend selbst regulieren und sind deshalb auf den Schutz und die Aufmerksamkeit ihrer Bezugspersonen angewiesen.

Hitze bei Kindern: Warnsignale früh erkennen

Hitzeprobleme entstehen oft schleichend und werden deshalb leicht übersehen.

Erste Anzeichen können sein:

  • gerötetes Gesicht
  • ungewöhnliche Müdigkeit
  • Quengeligkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • auffällige Schlappheit

„Viele Eltern erwarten dramatische Symptome. Tatsächlich beginnt eine Überhitzung oft ganz unscheinbar“, sagt Dr. Pflugbeil. „Deshalb lohnt es sich, auch kleine Veränderungen ernst zu nehmen.“

Infografik zum Unterschied zwischen Sonnenstich und Hitzschlag bei Kindern. Die Grafik erklärt typische Symptome, zeigt Warnzeichen einer Überhitzung und informiert darüber, wann Eltern sofort medizinische Hilfe rufen sollten.
Sonnenstich und Hitzschlag werden häufig verwechselt. Die Infografik zeigt die wichtigsten Unterschiede, typische Symptome und Warnsignale, bei denen Eltern schnell handeln und gegebenenfalls den Notruf wählen sollten.

Sonnenstich oder Hitzschlag – wo liegt der Unterschied?

Die Begriffe werden häufig verwechselt, beschreiben aber unterschiedliche Situationen.

Sonnenstich bei Kindern

Ein Sonnenstich entsteht durch direkte Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken. Dabei können die Hirnhäute gereizt werden.

Typische Beschwerden sind:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • heißer Kopf
  • Benommenheit

Wichtig zu wissen: Die Körpertemperatur muss dabei nicht zwangsläufig erhöht sein.

Hitzschlag bei Kindern

Ein Hitzschlag betrifft dagegen den gesamten Körper.

Die Körpertemperatur steigt stark an und der Organismus kann die Wärme nicht mehr ausreichend regulieren.

Mögliche Anzeichen sind:

  • sehr hohe Körpertemperatur
  • Verwirrtheit
  • starke Schläfrigkeit
  • Krampfanfälle
  • Bewusstseinsstörungen

Ein Hitzschlag ist immer ein medizinischer Notfall und muss sofort behandelt werden.

Wann Eltern sofort handeln sollten

Wählen Sie umgehend den Notruf 112, wenn ein Kind:

  • nicht mehr richtig reagiert
  • verwirrt wirkt
  • Bewusstseinsstörungen zeigt
  • Krampfanfälle entwickelt
  • Atemprobleme hat

Ein wichtiger Hinweis von Dr. Claus Pflugbeil: „Bei Verdacht auf einen Hitzschlag sollten Eltern kein Ibuprofen geben.“

Der Grund: Ein Hitzschlag ist kein klassisches Fieber. Die Ursache liegt in einer Überhitzung des Körpers. Fiebersenkende Medikamente helfen in dieser Situation nicht zuverlässig und können Kreislauf sowie Nieren zusätzlich belasten.

Ein Kind sitzt an einem warmen Sommertag im Schatten eines großen Baumes und trinkt Wasser aus einer Trinkflasche. Es trägt leichte Kleidung und einen Sonnenhut. Das Bild veranschaulicht wichtige Maßnahmen zum Hitzeschutz für Kinder im Sommer.
Viel trinken, Schatten suchen und einen Sonnenhut tragen: Mit einfachen Schutzmaßnahmen können Familien Kinder an heißen Sommertagen vor Überhitzung und den Folgen starker Sonneneinstrahlung schützen.

Die besten Hitzeschutz-Tipps für Familien

Mit einigen einfachen Maßnahmen lassen sich viele Risiken vermeiden.

Ausreichend trinken

Kinder sollten regelmäßig trinken – auch dann, wenn sie noch keinen Durst äußern.

Schatten bevorzugen

Direkte Sonneneinstrahlung sollte insbesondere in den Mittagsstunden möglichst vermieden werden.

Mittagshitze meiden

Zwischen etwa 11 und 16 Uhr sind Schattenplätze oder Innenräume oft die bessere Wahl.

Leichte Kleidung wählen

Luftige, helle Kleidung unterstützt die natürliche Temperaturregulation.

Sonnenhut nicht vergessen

Ein breitkrempiger Hut schützt Kopf, Gesicht und Nacken.

Anstrengung reduzieren

Sportliche Aktivitäten sollten an besonders heißen Tagen angepasst werden.

Wichtig: Sonnencreme schützt die Haut, ersetzt aber keinen Schatten.


Infografik zum Hitzeschutz für Babys und Kleinkinder im Sommer. Sie zeigt, warum ein Tuch über dem Kinderwagen zu einem Hitzestau führen kann, welche sicheren Alternativen es gibt und welche Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Überhitzung empfohlen werden.
Ein Tuch über dem Kinderwagen kann die Luftzirkulation einschränken und die Temperatur im Inneren deutlich erhöhen. Die Infografik zeigt sichere Alternativen sowie wichtige Sofortmaßnahmen, wenn Kinder Anzeichen einer Überhitzung zeigen.

Die Kinderwagen-Falle

Warum ein Tuch über dem Kinderwagen problematisch sein kann

Viele Eltern möchten ihr Baby mit einem Tuch vor der Sonne schützen. Was gut gemeint ist, kann jedoch problematisch werden.

Unter dem Stoff kann sich die Hitze schnell stauen. Gleichzeitig wird die Luftzirkulation eingeschränkt.

Bessere Alternativen sind:

  • Sonnensegel
  • Sonnenschirme
  • gut belüftete Kinderwagen
  • regelmäßige Kontrolle der Temperatur im Wagen

Erste Hilfe bei Überhitzung

Wenn ein Kind Anzeichen einer Überhitzung zeigt:

  • sofort aus der Sonne bringen
  • an einen kühlen Ort wechseln
  • Kleidung lockern
  • vorsichtig kühlen
  • Getränke anbieten, sofern das Kind wach ist und sicher schlucken kann

Bei Unsicherheit gilt immer: lieber einmal mehr ärztlichen Rat einholen.


Die 7 wichtigsten Sommerregeln für Kinder

☀️ Viel trinken

☀️ Schatten suchen

☀️ Sonnenhut tragen

☀️ Sonnencreme nutzen

☀️ Mittagshitze meiden

☀️ Kinderwagen nicht abdecken

☀️ Warnzeichen ernst nehmen

Kinderärztliches Fazit

„Kinder sollen den Sommer genießen dürfen“, sagt Dr. Claus Pflugbeil. „Draußen spielen, schwimmen, Eis essen und Abenteuer erleben gehören zu einer schönen Kindheit dazu. Mit dem richtigen Schutz lassen sich viele Risiken vermeiden. Wichtig ist vor allem, die Warnzeichen zu kennen und bei Auffälligkeiten früh zu reagieren. Dann steht unbeschwerten Sommertagen meist nichts im Weg.“

Praxis-Herzstück_Dr. med. Claus Pflugbeil und seine Frau
Karten aus dem Kartenspiel Kinderarzt To Go von LivaKids

Noch mehr Kinderarzt-Tipps für Familien

Wer regelmäßig verständliche Informationen rund um Kindergesundheit, Vorsorge und den Familienalltag erhalten möchte, findet bei Dr. med. Claus Pflugbeil auch auf Instagram hilfreiche Inhalte. Auf seinem Account @herzstueck_kinderarztpraxis teilt der Kinderarzt alltagsnahe Tipps, beantwortet häufige Elternfragen und informiert über wichtige Gesundheitsthemen – verständlich, praxisnah und familienorientiert.

Darüber hinaus hat Dr. Claus Pflugbeil gemeinsam mit seiner Frau Birgit das Familienprojekt LivaKids ins Leben gerufen. Aus ihrer täglichen Erfahrung im Umgang mit Eltern entstand die Idee, medizinisches Wissen noch leichter zugänglich zu machen und Familien auch außerhalb der Kinderarztpraxis zu begleiten.

Besonders bekannt sind die „Kinderarzt to go“-Kartensets, die wichtige Gesundheitsthemen, typische Kinderkrankheiten und Notfallsituationen kompakt und verständlich erklären. Ergänzt werden die Karten durch digitale Inhalte und Video-Erklärungen, die Eltern schnelle Orientierung im Familienalltag bieten.

Mehr Informationen zum Projekt gibt es unter www.livakids.com. So verfolgt Dr. Claus Pflugbeil auch außerhalb der Praxis sein wichtigstes Ziel: Eltern Wissen vermitteln, Sicherheit geben und Familien im Alltag verlässlich unterstützen.