Wenn das eigene Kind plötzlich krank wird, ist die Unsicherheit oft groß. Gerade abends, am Wochenende oder unterwegs fehlt vielen Eltern eine schnelle, verlässliche Orientierung. Was ist noch normal – und wann sollte ich handeln?

Birgit und Claus kennen genau diese Situationen aus ihrem Alltag in einer Kindearztpraxis. Seit vielen Jahren begleiten sie Familien, nehmen Sorgen ernst und helfen dabei, Symptome richtig einzuordnen. Mit ihrem Projekt „Kinderarzt to go“ möchten sie genau dort unterstützen, wo Eltern oft allein sind: im Alltag, auf Reisen und in den kleinen wie großen Notfällen.

Im Interview sprechen sie über ihren Weg in die Kinderheilkunde, berührende Momente aus ihrem Berufsalltag und darüber, warum es manchmal nur ein paar klare Worte braucht, um Eltern Sicherheit zu geben.

Ein ehrliches Gespräch über Vertrauen, Verantwortung und die Frage, wie moderne Elternhilfe heute aussehen kann.

Im Interview

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Kinderarzt Dr. med. Claus Pflugbeil
Birgit Pflugbeil Gründerin von LivaKids
Birgit Pflugbeil, Gründerin von LivaKids

Wie seid ihr eigentlich zur Kinderheilkunde gekommen – gab es einen Moment, der euch besonders geprägt hat?

Birgit hat Pädagogik studiert und hatte sogar kurz einmal überlegt, Grundschullehrerin zu werden. Die Affinität zu den kleinen Weltenendeckern war schon früh da. Claus hatte während seines Studiums ein Praktikum auf einer Kinderstation. Hier hat er gemerkt, dass er einen ganz besonderen Draht zu den kleinen Patienten hat. Er konnte Ihnen durch Augenhöhe so viel Angst nehmen und bekam dafür ein Lächeln zurück. 

Was liebt ihr an eurem Beruf als Kinderarzt / an der Arbeit mit Familien am meisten?

Es gibt wohl keinen anderen Beruf, in dem man so viel Wertschätzung und Dankbarkeit zurückbekommt. Es wird einem das Wertvollste anvertraut. Zudem ist es ein sehr abwechslungsreicher Beruf. Einerseits die Gespräche mit den Eltern und andererseits der Umgang mit den Kinder. Besonders schön ist es, dass wir Familien über Jahre begleiten und die Kinder aufwachsen sehen dürfen. Es ist ein schönes Gefühl, den Eltern die Sorgen etwas nehmen zu können und auch den Kindern zu zeigen, dass man sie versteht.

LivaKids-Kinderarzt to go
Das LivaKids Kartenset Kinderarzt to go bietet Eltern Unterstützung bei Kinderkrankheiten

Wie ist die Idee zu „Kinderarzt to go“ entstanden? War das eher ein spontaner Gedanke oder hat sich das über die Zeit entwickelt?

Die Idee hat sich über die Zeit entwickelt. Im Praxisalltag haben wir immer wieder erlebt, wie schnell bei Eltern Unsicherheit entsteht, wenn ein Kind plötzlich krank wird. Gerade im Urlaub oder am Wochenende oder abends haben sich Patienten häufig gemeldet und wir haben gesehen, dass wir mit ein paar wenigen Tipps und Entscheidungshilfen oft einen Besuch in der Notaufnahme vermeiden konnten. Daraus ist der Wunsch entstanden, medizinisches Wissen so aufzubereiten, dass Eltern es auch unterwegs und im Alltag schnell zur Hand haben und erste Handlungsempfehlungen selbst durchführen können und gleichzeitig lernen die Situation besser einzuschätzen.

Gab es einen konkreten Moment, in dem ihr dachtet: „Genau das brauchen Eltern“?

Ja: diese vielen Situationen, in denen Eltern eigentlich nur eine klare, verlässliche und ruhige Einordnung brauchen. Gerade auf Reisen oder außerhalb der Praxis fehlt oft genau diese schnelle Orientierung. Da war uns klar: Es braucht etwas, das verständlich, kompakt und trotzdem medizinisch fundiert ist. Außerdem war uns wichtig, dass es liebevoll gestaltet ist und damit auch etwas die Sorgen nimmt und zeigt, dass auch mal krank sein zum Großwerden dazu gehört.

Ihr arbeitet als Paar zusammen – wie ergänzt ihr euch im Alltag?

Claus macht das, was Birgit sagt. 😉 – kleiner Spaß. Es klingt zwar kitschig, aber wir lieben es, zusammen zu arbeiten. Wir tauschen uns so gerne aus, sowohl im Alltag als auch in der Arbeit. Es ist ganz besonders, wenn man gemeinsam etwas aufgebaut. Und auch im Alltag teilen wir uns die Aufgaben. Wir ergänzen uns sehr gut. Claus ist der Visionär und Birgit die Umsetzerin.

Was bringt jeder von euch mit ein, was das Projekt besonders macht?

Claus bringt die fachliche Sicherheit, die kinderärztliche Erfahrung und den Blick für das medizinisch Wesentliche mit. Birgit bringt die Perspektive von Familien, Struktur, Alltagstauglichkeit und viel Liebe zum Detail mit. Zusammen entsteht daraus etwas, das medizinisch seriös und gleichzeitig liebevoll gestaltet ist.

Was erlebt ihr im Austausch mit Eltern, das euch immer wieder berührt oder auch überrascht?

Wir erleben oft, wie groß die Verunsicherung manchmal schon bei kleinen Symptomen sein kann. Aber auch, wie dankbar Eltern sind, wenn sie ernst genommen werden und eine verlässliche Hilfe bekommen. Uns berührt immer wieder, wie viel Vertrauen Familien uns schenken und wie sehr sich die Kinder sogar auf den Besuch beim Kinderarzt freuen und oft gar nicht mehr gehen wollen.

Gibt es eine Geschichte aus eurem Alltag, die euch besonders im Kopf geblieben ist?

Besonders im Kopf bleiben uns gar nicht immer die spektakulären Fälle, sondern die leisen Momente: Wenn ein ängstliches Kind plötzlich Vertrauen fasst und einen aus dem Nichts heraus umarmt.

Vor kurzem hatten wir allerdings auch eine kleine Patientin, die im Urlaub von einer hohen Mauer auf den Kopf gestürzt ist – es stand die Diagnose eines Schädelbruchs im Raum mit allen dazugehörigen Konsequenzen und Rückholaktionen. Hier konnte Claus durch ein Telefonat und den kollegialen Austausch mit den Ärzten vor Ort helfen und die Lage beruhigen. Dem kleinen Mädchen geht es erfreulicherweise gut.

Dr. med. Claus Pflugbeil klatscht mit einem jungen Patienten ab.
Ein freundschaftliches Miteinander ist besonders wichtig um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.
Dr. Pflugbeil bei der Behandlung eines kleinen Mädchens.
Mit Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl sorgt Claus für das Wohlbefinden seiner kleinen Patienten & Patientinnen.

Was ist euch im Umgang mit Familien besonders wichtig?

Herzlichkeit, echtes Zuhören und die Sorgen der Eltern ernst nehmen. Claus möchte den Eltern die Medizin verständlich erklären und den Kindern auf Augenhöhe begegnen. Die Familien sollen sich fachlich kompetent betreut und gleichzeitig menschlich gut aufgehoben fühlen.

Wofür möchtet ihr mit „Kinderarzt to go“ stehen?

Für Sicherheit.

Für medizinisch fundierte Hilfe, die Eltern im Alltag wirklich unterstützt.

Und für das gute Gefühl, auch auf Reisen den Kinderarzt mit dabei zu haben.

Wenn ihr euer Projekt in drei Worten beschreiben müsstet – welche wären das?

Kinderarzt zum Mitnehmen. Sicherheit für Unterwegs.

Und ganz persönlich: Was wünscht ihr euch für die Zukunft von Familien im Umgang mit Kindergesundheit?

Wir würden uns hier vor allem von Seiten der Regierung ein großes und grundlegendes Umdenken wünschen, wenn es um die Kindergesundheit geht. Kinder haben leider keine Lobby und der Gesundheitsbereich ist ganz besonders betroffen. Die Kindermedizin ist so schön, sie bedarf aber viel Zeit und Empathie, um Eltern aufzuklären und das Vertrauen der kleinen Patienten zu gewinnen.

Und vielleicht noch so eine Frage wie – welches Thema hat bei euch die meisten User erreicht?

Das Thema Pseudokrupp und Verschlucken sind zwei große Themen, die Eltern gerade in den ersten Jahren sehr beschäftigen und schnell zu einer Notfallsituation werden. Hierzu haben wir schon viele Rückmeldungen bekommen, dass unsere Aufklärungsarbeit besonders hilfreich ist.

Dazu habt Ihr ja auch bereits einen Instagram Account erstellt, auf dem Ihr euch vorstellt, aktuelle Themen aus eurem Praxisalltag teilt und Tipps gebt. Den wollen wir – als Familyflair-Redaktion – gerne noch erwähnen. Zu finden unter @herzstueck_kinderarztpraxis.

Liebe Birgit, lieber Claus. Vielen herzlichen Dank für das herzliche Interview.

Am Ende bleibt vor allem eines: das gute Gefühl, nicht allein zu sein. Birgit und Claus zeigen, dass es oft gar nicht die große Lösung braucht, sondern Verständnis, Erfahrung und die richtigen Worte im richtigen Moment. Mit „Kinderarzt to go“ bringen sie genau das dorthin, wo Eltern es am meisten brauchen – mitten in den Alltag. Und vielleicht auch ein Stück mehr Ruhe in all die kleinen und großen Sorgen, die das Familienleben mit sich bringt.